Günther Schuh

acatech Mitglied Günther Schuh

Prorektor für Industrie und Wirtschaft, RWTH Aachen

Als Ingenieur und Betriebswirt blickt Günther Schuh über den Tellerrand der Forschung und denkt Industrie 4.0 auch ganz praktisch. Er ist sich sicher: Die allgegenwärtige Vernetzung und preiswerte Hardware werden für einfache und transparente Datenflüsse in Unternehmen sorgen. Gepaart mit der Kommunikationsstärke der Digital Natives wird das zu einer Produktivitätsexplosion führen.

"Die Social Natives der Generation Y bringen eine wunderbare Kommunikationsstärke mit und das müssen wir auch in den Fabriken zulassen. Dann bekommen wir eine Kommunikationsstärke, die die Gesamtproduktivität massiv steigern wird und damit die Gesamteffizienz einer Fabrik."

Günther Schuh

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Vernetzte Prozesse, komplexe Arbeit

Ähnlich komplex und vernetzt wie die Prozesse der Industrie 4.0 sind auch die Aufgaben Günther Schuhs. Als Wissenschaftler ist er Inhaber des Lehrstuhls für Produktionssystematik der RWTH Aachen, Mitglied im Direktorium des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie und Direktor des Werkzeugmaschinenlabors der RWTH. Als Geschäftsführer der RWTH Aachen Campus GmbH verantwortet er eine der größten Forschungslandschaften Europas mit rund 120 Unternehmen. Schon vor Jahren gründete er neben seiner Arbeit in Lehre und Forschung eine Unternehmensberatung und eine privatwirtschaftliche Forschungsinitiative, die Elektrofahrzeuge für den Kurzstreckenverkehr entwickelt.

Ein verbindendes Element seiner Arbeit ist die Industrie 4.0, der Einzug des Internets der Dinge und Dienste in die Fabrik. Gravierende Auswirkungen hat die Vernetzung aller Teile der Produktion dabei auch für die Qualität der Arbeit, sagt Schuh. So könne Mitarbeitern in einer vernetzten Fertigungswelt bei Problemen viel effizienter geholfen werden. Bei Qualitätsmängeln stehe ihnen sofort Unterstützung durch vernetzte Technik zur Seite. Gleichzeitig werde Arbeit in der vernetzten Fabrik aber auch komplexer, die Anforderungen an Maschinen und Menschen steigen.

Sichtbar wird dieser Wandel bereits in einer Demonstrationsfabrik auf dem RWTH Aachen Campus. Durch die Vernetzung aller Arbeitsschritte wissen die Mitarbeiter hier jederzeit, an welcher Stelle welche Teile gebraucht werden. Wert gelegt wurde dabei auf bedienungsfreundliche Arbeitsplätze und moderne Ausbildungsformate, auch für weniger spezialisiert Ausgebildete. Dafür gab es bereits Lob von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft: „Es freut mich persönlich, dass bei Industrie 4.0 auch auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer eingegangen wird.“ Günther Schuh kommt damit seinem Ziel einen Schritt näher: er hofft, dass Industrie 4.0 auch künftig nicht mit einem Ypsilon am Ende - also auf Englisch - geschrieben wird, sondern auf Deutsch.

Beitrag zum Workshop

Industrie 4.0 – Zukunft der Industriearbeit (pdf 351 KB)

Präsentation gehalten zu Beginn der Workshopreihe im Dezember 2014.

Biografie

1978 - 1985

Studium Maschinenbau und Betriebswirtschaftslehre an der RWTH Aachen

1988

Promotion

1988 - 1990

Oberingenieur am Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen

1990 - 2002

Dozent für Fertigungswirtschaft und Industriebetriebslehre an der Universität St. Gallen (HSG)

1993 - 2002

Professor für betriebswirtschaftliches Produktionsmanagement und Mitglied des Direktoriums am Institut für Technologiemanagement, Universität St. Gallen

seit 2004

Direktor des Forschungsinstituts für Rationalisierung (FIR) der RWTH Aachen

2008 - 2012

Prorektor für Industrie und Wirtschaft der RWTH Aachen

 

 

"Rationalisierung war zu Beginn verpönt, weil sie mit der Freisetzung von Mitarbeitern verbunden wurde. Heute ist das primäre Ziel, Wertschöpfung im eigenen Land zu halten."

Günther Schuh